Neu entdeckt durch Wiener Urtext

Wussten Sie schon,

... dass Mozart eine eigene Klavierbearbeitung der Ouvertüre zur Entführung aus dem Serail herausbrachte?

... dass es vom Konzert-Rondo für Klavier und Orchester KV 382 und vom Rondo aus dem Duo für Violine und Viola KV 423 Fassungen für Klavier solo gibt?

... dass es schon zu Mozarts Zeit klaviergerechte Fassungen des Andante für die Flötenuhr KV 616 und der Orgelfuge KV 401 gab?

... dass Mozarts Sohn Franz Xaver, auch genannt W. A. Mozart Sohn, im Alter von 11 Jahren ein Fragment seines Vaters vollendete?

Alle diese Stücke finden Sie komplett in der neuen Wiener Urtext-Ausgabe: Mozart, Klavierstücke, Band 2 (UT 50230).

Einige Informationen hierzu finden Sie im Folgenden

Im 18. und 19. Jahrhundert war es weithin üblich, Werke, die ursprünglich für eine andere Besetzung bestimmt waren, in Klavierauszügen im Druck zu veröffentlichen. Die Klavierbearbeitungen dienten einerseits der Darbietung in privaten Zirkeln, andererseits aber auch dem Studium, solange Partiturausgaben - selbst von Kammermusikwerken - die Ausnahme darstellten. Bei vielen dieser Klavierarrangements sind die Namen der Bearbeiter nicht bekannt geworden. Wir wissen aber, dass Mozart in einigen Fällen selbst Klavierfassungen erstellt hat. Obgleich es sich um ein einträgliches Geschäft handelte, und Mozart die Arbeit nicht schwer fiel, konnte er sich jedoch nur selten entschließen, ein Projekt konsequent durchzuführen. Bei der Entführung aus dem Serail kam der Verlag Schott in Mainz Mozart mit einem Klavierauszug zuvor. Mozarts eigener Klavierauszug, der bereits begonnen und über den Wiener Verleger Christoph Torricella angekündigt war, ist nie erschienen - mit Ausnahme der Ouvertüre. Sie ist in der neuen Wiener Urtext-Ausgabe der Klavierstücke erstmals der musikalischen Praxis zugänglich gemacht worden.
Der amerikanische Pianist und Mozart-Experte Robert D. Levin schreibt hierzu:

Was für eine Offenbarung ist doch diese hervorragende Bearbeitung im Vergleich zu dem, was man in vielen Klavierauszügen dieser Oper findet! ... die ungestüme Bewegung und das Flair des Originals sind in einen vollkommen klaviergerechten Satz übertragen. Der Klang von "türkischen" Perkussionsinstrumenten und Piccoloflöte bleibt im Ohr.

Legitim schien es zur Mozart-Zeit auch, Werke für ungewöhnliche Besetzungen durch ein Klavierarrangement einem breiteren Adressatenkreis zu erschließen. Hierzu zählt auch die Fassung für Klavier solo der Variationen des Rondos für Klavier und Orchester KV 382. Da sich ein Exemplar des Artaria-Drucks dieser Fassung in Mozarts Nachlass befand, ist anzunehmen, dass er nicht nur um die Einrichtung wusste, sondern auch aktiv an ihr beteiligt war. Weniger leicht zu beantworten ist die Frage, wer hinter den zeitgenössischen, aber erst nach Mozarts Tod erschienenen Bearbeitungen des Schlusssatzes aus dem Duos für Violine und Viola KV 423 (erschienen 1792) und des Flötenuhrstücks KV 616 (erschienen 1791) stehen mag. In beiden Fällen ist die Übertragung ohne ernsthafte Eingriffe in das Original möglich gewesen, so dass sich hieraus keinerlei Rückschlüsse auf die Qualifikation und damit auf die Person des Bearbeiters ziehen lassen. In ähnlicher Weise kursierte die Orgelfuge KV 401 bald nach 1800 als Bearbeitung für Klavier.

Ein Kuriosum ist die Ergänzung des 16-taktigen Themas in F-Dur KV 590b, bei der es sich um eine der frühesten erhaltenen Kompositionen des damals 11-jährigen Franz Xaver Mozart, genannt Wolfgang Amadeus Mozart Sohn, handelt. 1802 seiner lieben Mutter zum Namensfeste gewidmet, stellt die hier erstmals veröffentlichte Komposition, die trotz der Überschrift Rondo eher die Züge eines Sonatensatzes trägt, ein rührendes Familienzeugnis dar.


zurück